Gemeinschaftskonferenzen

Bei der Gemeinschaftskonferenz handelt es sich um eine konstruktive Form der Konfliktbearbeitung zusätzlich oder alternativ zu einem Strafverfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG). Dabei geht es nicht nur um Partizipation der direkt Beteiligten, sondern auch darum, dass diese selbst freiwillig, konsensorientiert und mit Blick in die Zukunft Entscheidungen finden, also einen Ansatz „von unten“. Eine Gemeinschaftskonferenz ist eine demokratische Erfahrung, bei der jene, die von einem Problem am meisten betroffen sind, darüber entscheiden, wie damit umzugehen ist („Ownership“).

 

Eine Gemeinschaftskonferenz ist also ein Forum, in dem sich Menschen mit problematischen Situationen und Konflikten befassen. Alle Beteiligten dürfen reden, ihre Gefühle ausdrücken und können vor allem das Ergebnis mit beeinflussen. Leitgedanken zielen auf Empowerment: Stärken und Positives, die Bedürfnisse aller Beteiligten sind herauszuarbeiten. Die meisten Konflikte gehen auch die Gemeinschaft etwas an: Vernetzung, Aktivierung des bestehenden Netzwerks.

 

In diesem Mediationsverfahren trifft die professionelle Perspektive auf die Sichtweisen, unterschiedliche Sprache, Erfahrungen (Vertrauen/Misstrauen), Alltage, Zielsetzungen von „Lebensweltakteuren“. Gerade in der Teilnahme von UnterstützerInnen liegt der (Mehr)Wert des Conferencing-Verfahrens: je mehr Unterstützung, umso größer ist der Einfluss auf die problematische Situation und die Kreativität, angemessene und dauerhaft wirksame Lösungen zu erreichen.

 

Der Begriff Gemeinschaftskonferenz (GMK) wurde im Kontext der Restorative Justice erstmals 1999 von Otmar Hagemann und Astrid Klukkert als deutsch-sprachige Bezeichnung der neuseeländischen Family Group Conferences (FGC) bzw. Community Conferences für ein Projekt in Hamburg-Lurup verwendet (vgl. „Besser streiten“). Seit 2006 wird dieses Conferencing-Verfahren – neuerdings als erweiterter Täter-Opfer-Ausgleich (eTOA) bezeichnet – im Land-gerichtsbezirk Itzehoe in Schleswig-Holstein umgesetzt.

 

Erster Zwischenbericht über Gemeinschaftskonferenzen in Elmshorn

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Autor: Prof. Dr. Otmar Hagemann

Kiel University of Applied Sciences

Faculty for Social Work and Health